Die Abhängigkeits-Falle: Warum Sie nicht wissen, wer Ihre IT wirklich kontrolliert (3/8)

Nach Stakeholder-Dialog und Regulierung kommen wir zum Kern: Wissen Sie eigentlich, welche Software in Ihrem Unternehmen läuft?

Spoiler: Die wenigsten wissen es wirklich.

In meinen Gesprächen mit Geschäftsführern höre ich oft: „Wir nutzen Microsoft für Office, SAP für die Buchhaltung, und dann noch diese Branchensoftware für [X].“

Was fehlt? Die Erkenntnis, wie TIEF diese Abhängigkeiten gehen.

Die unbequeme Realität:

  • Microsoft: Nicht nur Office, sondern Azure, Teams, OneDrive, Outlook, SharePoint…
  • Branchensoftware: Oft proprietär, kaum integrierbar, Vendor-Lock-in
  • Spezialisierte GIS- oder ERP-Systeme: Meist alternativlos, weil „hat sich bewährt“

Plötzlich hängt das gesamte Unternehmen an 3-5 Anbietern. Und jetzt die entscheidende Frage:

Was passiert, wenn…

  • …ein Anbieter die Preise verdoppelt?
  • …der Support für Ihre Version eingestellt wird?
  • …regulatorische Änderungen die Nutzung einschränken?
  • …der Anbieter übernommen wird und das Geschäftsmodell ändert?

Digitale Souveränität beginnt mit Transparenz. Der erste Schritt ist immer: Kartieren Sie Ihre Software-Landschaft.

Nicht mit komplexen Tools wie Software Bills of Materials (SBOM) – zumindest nicht am Anfang. Sondern mit drei simplen Fragen:

  1. Welche Software nutzen wir? (Alle Systeme, nicht nur die „großen“)
  2. Wo liegen die Daten? (Server, Cloud, Hybrid?)
  3. Was passiert bei Ausfall? (Haben wir Alternativen? Fallback-Szenarien?)

Erst wenn Sie diese Fragen beantworten können, haben Sie die Grundlage für echte digitale Souveränität.

Nächste Woche: Wie Sie entscheiden, welche Workloads wirklich kritisch sind – und warum nicht alles auf eigene Server muss.