Letzte Woche haben wir über Stakeholder-Dialog gesprochen. Heute wird’s regulatorisch – und ehrlich.

Die unangenehme Wahrheit aus meinem Beratungsalltag: „DSGVO = Datenschutz = Ich darf gar nichts mehr.“ Das höre ich ständig. Und es stimmt einfach nicht.
Gleichzeitig erlebe ich ein Paradox: Unternehmen ernennen pflichtbewusst Datenschutzbeauftragte (Strafen drohen!), schicken Foto-Einverständniserklärungen für Firmenfeiern rum – aber speichern munter personenbezogene Daten bei Cloud-Anbietern, „weil wir müssen“ (zu hoher Aufwand sonst).
Das passt hinten und vorne nicht zusammen.
Regulierung schafft ein Level Playing Field DSGVO, NIS2, DORA, nationale Initiativen wie C5 in Deutschland oder SecNumCloud in Frankreich – all diese Regelwerke definieren nicht nur Pflichten. Sie schaffen einen fairen Wettbewerbsrahmen, in dem alle nach denselben Regeln spielen.
Wer digitale Souveränität ernst nimmt, muss diese Rahmenbedingungen kennen. Nicht aus Angst vor Strafen, sondern um strategische Entscheidungen treffen zu können:
- Wo MÜSSEN wir Daten speichern?
- Welche Anbieter erfüllen welche Standards?
- Wo haben wir Gestaltungsspielraum?
Meine ehrliche Position: In meiner Beratungspraxis haben regulatorische Anpassungsnotwendigkeiten bisher keine zentrale Rolle gespielt. Das möchte ich ändern. Als Berater ist es meine Verantwortung, nicht nur die technischen Möglichkeiten zu kennen, sondern auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, in denen sich meine Kunden bewegen müssen.
Digitale Souveränität bedeutet nicht, Compliance-Checklisten abzuhaken. Sie beginnt erst, wenn Sie verstehen, WO Ihre Daten liegen, WER darauf zugreifen kann – und welche regulatorischen Anforderungen Sie dabei erfüllen müssen.
Nächste Woche: Die unbequeme Wahrheit über Software-Abhängigkeiten – warum die meisten KMU gar nicht wissen, wie tief sie in Microsoft, SAP & Co. verstrickt sind.
